Wie Erwartungen unser Verhalten lenken können!

Verhaltenskontrolle durch Kompetenzerwartungen

Personen können neben einer realistischen Einschätzung der eigenen Kompetenzen auch eine Über- oder Unterschätzung haben.
Eine realistische Selbsteinschätzung führt zu einer optimalen Ausnützung der eigenen Fähigkeiten.
Eine Person, die sich als kompetent einschätzt, meistert schwierige und angsterregende Situationen besser. Setzt sich mehr für die entsprechende Aufgabe ein und ist um so motivierter, wenn sie mit vergangener Leistung unzufrieden ist.

Eine Unterschätzung der eigenen Kompetenz führt zu unangemessener Selbstbeschränkung, die sich in Form von Überängstlichkeit und Ablehnung von Aufgaben zeigen kann, weil man glaubt, ihnen nicht gewachsen zu sein.
Eine Person, die sich als inkompetent einschätzt,
richtet ihre Aufmerksamkeit in schwierigen und angsterrengenden Situationen auf sich und überschätzt die Schwierigkeit der Situation. Weil sie dadurch erregter wird, verschlechtert sich ihre Leistung.

Eine Überschätzung der eigenen Kompetenz führt zu aversiven Konsequenzen. Wer z. B. glaubt, den Mount Everest nackt besteigen zu können, der wird erfrieren.

Wie können nun Kompetenzerwartungen erworben werden?

Direkte Erfahrung
Erfolgreiches Verhalten erhöht die Kompetenzerwartung einer Person für diesen Verhaltensbereich. Aber dies geschieht nur dann, wenn der Erfolg mit der Einfachheit der Aufgabe oder der eigenen Begabung attribuiert wird. Misserfolg hingegen reduziert Kompetenzeinschätzungen. Dies wird oft so erklärt, dass die Aufgabe zu komplex gewesen ist oder man selber zu wenig begabt ist. Erklärt der Handelnde Erfolg oder Misserfolg eines Verhaltens mit Zufall oder eigener Anstrengung, verändern sich seine Kompetenzerwartungen nicht.
Stellvertretende Erfahrung
Auch die bloße Beobachtung eines erfolgreichen Modells erhöht nach Bandura die Kompetenzerwartung des Beobachters. Und zwar um so mehr, je ähnlicher das Modell dem Beobachter ist, je mehr Modelle das gleiche erfolgreiche Verhalten zeigen, je mehr sich ein Modell bei seinem Verhalten bemüht hat und bei stellvertretender Bekräftigung.
Teilnehmende Modellierung
Hier wird das angestrebte Verhalten progressiv gelernt. Das Modell führt eine Handlung vor, die dem Zielverhalten schrittweise immer ähnlicher wird. Der Beobachter reproduziert, unterstützt durch das Modell, jeden Schritt des Modellverhaltens bevor der nächste vorgemacht wird. Durch die stellvertretende und direkte positive Erfahrung steigt die Kompetenzeinschätzung des Beobachters.
Überredung
Eine andere Person – oder auch man selbst – kann einem einreden, dass man zu einem Verhalten fähig ist. Doch die so erzeugte Kompetenzerwartung hält ohne die direkte Überprüfung des tatsächlichen Könnens nicht lange an.
Emotionale Erregung
Selbstwirksamkeitserwartung ist bei mittlerem Erregungsniveau am höchsten. Wenn Personen zu erregt sind, sind sie geneigt, niedrigere Selbstwirksamkeiten anzunehmen. Es kann auch Situationen geben, wo sehr hohe Erregung erwartet wird. Angemessenes Bewältigungsverhalten tritt somit als Folge einer Stärkung der Selbstwirksamkeit auf. Zwischen Selbstwirksamkeit und Verhalten besteht eine wechselseitige Abhängigkeit.

Petra Watolla schreiben